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Donnerstag, 12. März 2009, 15:04 Uhr

Leben und Tod

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Nachdem die letzten Beiträge im Forum ja weicher als jeder Weichspüler waren, hier nun wieder ein härteres Thema.

Zwar gibt es derer genug, doch gerade das vorliegende stellt mal wieder in aller Brutalität die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Seins, nach dem Warum des Geschehens, und danach, wie mit all dem umzugehen ist.

Es ist noch nicht allzu lange her, da gab die Schießerei in unserer aller Heimatstadt Rüsselsheim Anlaß für Überlegungen gleicher Art. Doch das fassungslose Schockiertsein, die mitfühlende Anteilnahme für die Leidtragenden, die Frage nach Leben und Tod, all dies wich schon bald wieder den eigenen Sorgen und Nöten, dem täglichen Einerlei, neuen Hiobs-Botschaften und somit letztendlich dem Vergessen.

Nun aber wird jedem auf ein Neues schlagartig die Endlichkeit des eigenen Daseins vor Augen geführt, die Tatsache, daß es jeden auch zu unvorbereiteter Zeit treffen kann und der Schmerz des Verlustes des Lebens.

„Ich will Euch dies eine vor Augen führen:
schwerwiegend ist die Frage nach Leben und Tod.
Die vergänglichen Dinge des Lebens schwinden rasch dahin.
Seid daher stets wachsam, niemals nachlässig, immer aufmerksam.“

(abendlicher Spruch zum Schluß der ZEN-Meditation im Kloster in Dietfurt)

Was unserer heutigen, westlichen Welt vollkommen fehlt, ist ein entsprechend ethisch-philosophisches Gedankengut, welches bereits auf breiter Front gerade jungen Menschen vermittelt wird.

Dies wird beim Lesen eines aktuellen „Spiegel“-Artikels besonders deutlich.

Wie man Tim K. als Helden feiern kann, ist wahrscheinlich nur aus Sicht vollkommen unreifer, das Leben verachtender Menschen verständlich, die nie gelernt haben, Verantwortung für sich oder andere zu übernehmen.

Kommentare:

O�Hara san, Doitsu, Freitag, 13. März 2009, 06:04 Uhr

Ein von seinen Schulkameraden gemobbter ("Loser") 17-jähriger befindet sich wegen Depressionen in Behandlung und sein Vater lässt eine Waffe (von 16!) unverschlossen liegen. Im Übrigen: Zugriff auf "Munition satt". No comment. Aber auch die Fragen, auf die es keine Antwort gibt, bleiben im Forum nicht ohne Replik:

"Sieben der Opfer erlagen ihren schweren Verletzungen. "Ich habe diese Welt satt", soll der 25-Jährige, am Tatort gefasste Täter bei seiner Festnahme verkündet haben.
Der Amoklauf ist der folgenschwerste in der Geschichte des Landes und schockierte die ganze Nation. Am Montag war der Tatort übersät mit Blumen, Comic-Heften und Getränken für die Seelen der Toten. Akihabara ist ein Mekka für Fans japanischer Comics, Videospiele und Unterhaltungselektronik. Der Täter soll ein Faible für Computerspiele und Animationsfilme gehabt haben - wie viele seiner Landsleute auch." (Spiegel-Kommentar zum Amoklauf am 08.06.2008 in Tokio/Japan).


Lieber Joe, Deinen Deiner Überzeugung entsprechenden Hinweis auf die Leistungsfähigkeit fernöstlicher Werte möchte ich nicht gering schätzen. Er weist in die richtige Richtung. Des von Dir beklagten gerade bei jungen Menschen fehlenden "ethisch-philosophischen Gedankengutes" bedarf es indes in der von Dir so sehr als positiv empfundenen Form aus meiner Sicht nicht zwingend. Wir Herrenwanderer sind auch nicht von Zen-Buddhisten erzogen worden, dennoch akzeptabel geraten und können dies hoffentlich auch weiter vermitteln. Das im Dietfurter Abend-Apell enthaltene Gebot zur Achtsamkeit gegenüber seinen Mitmenschen gibt es auch auf Deutsch. Hulgh, ich habe gesprochen.

 

Webby, Freitag, 13. März 2009, 10:55 Uhr

Mich macht das alles ziemlich sprachlos. Pragmatisch betrachtet, wäre ich dafür, das deutsche Waffengesetz komplett zu reformieren und alle Schützenvereine zu verbieten. Sollen die doch mit Magnetpfeilen werfen, diese Idioten.

 

O�Hara, Freitag, 13. März 2009, 12:50 Uhr

Lieber Titte, zeige mir den Bundestagsabgeordneten, der bei 1,45 Millionen akkreditierten Mitgliedern im Deutschen Schützenbund eine solche Initiative anpackt. Damit es nicht wieder zu weichei-mäßig wird, verbleibt nur auswegloser Zynismus: Rein statistisch ist das Risikopotential beim "school shooting" relativ gering. Alle paar Jahre 10-20 Tote bei 7 Mio. registrierten Waffen, das ist immer noch "sicherer" als Autofahren. Und Autos werden in Deutschland (ADAC: 16 Mio. Mitglieder) ja bestimmt nicht verboten.

 

Webby, Freitag, 13. März 2009, 13:10 Uhr

Nach diesem Kommentar kann man sich eigentlich nur noch die Kugel geben ...

 

Joe, Freitag, 13. März 2009, 15:30 Uhr

Schade, dass sich zu dem aufgerissenen Thema bislang nur die zwei Üblichen gemeldet haben. Aber im Grunde ist auch die gewohnte Nicht-Reaktion der Anderen beredt.

@O'Hara (in Kürze): sich selbst als "san" zu bezeichnen, ist sehr unjapanisch. Die Bezeichnung als "ehrenwert" für das eigene Ich überläßt man im Lande der aufgehenden Sonne den anderen. (Nur mal so als kleiner Tip).

Im übrigen: ich freue mich über den grundsätzlichen Widerhall meiner Worte von O'Hara. Allein, ich sprach keineswegs ausschließlich von ZEN-Buddhismus, sondern von mangelnden Werten und fehlender ethisch-moralisch-philospohischer Erziehung im allgemeinen in unserer Hemissphäre, wo der Besitz und der Schein mehr ist, als das Sein (s. spiegel: "Sie haben ihm alles gekauft, was er wollte" spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,613025,00.html)

Dazu bedarf es gar nicht unbedingt der Bezugnahme auf fernöstliche Weisheiten, auch wenn diese heutzutage sicherlich ansprechender auf viele wirken, als z.B. die Worte des Papstes.

Nein, schon meine Mutter wußte schon Immanuel Kant zu zitieren:
"Handele stets so, daß Dein Handeln die Maxime des Handelns anderer sein kann." Und der Grundsatz des "neminem laedere" war schon im römischen Recht bekannt.

All dies ist ein Gedankengut, zu dem man von Generation zu Generation erzogen werden muss. Aber in unserer Gesellschaft, in der von oben nach unten ein Werteverlust feststellbar ist, in der ganz einfach die Vorbilder fehlen, geschieht dies eben nicht mehr, ganz zu schweigen von einer Betrachtung von Leben und Tod.

 

Joe, Freitag, 13. März 2009, 15:40 Uhr

Auch wenn mein Beitrag nun viellecht insgesamt ein wenig lang erscheint, ich denke die Sache rechtfertigt es.

Ich möchte nämlich noch folgende Ergänzung anmerken, im Hinblick auf die Erziehung durch unsere Eltern und die Zeit, in der wir groß geworden sind.

Wir haben sicherlich auch viel Scheiße gemacht und waren rebellisch. Es ist mir aber nicht innerlich, daß es bereits damals das Phänomen des Schüler-Amok-Laufes gab, welches in der letzten Zeit zuzunehmen zu scheint und ganz offenbar von einigen Fehlgeleiteten sogar noch bejubelt wird.

Dies ist m.E. Ausdruck einer spezifischen Fehlentwicklung in der Gesellschaft.

Sollte ich mit dieser Behauptung widerlegt werden können?

 

Murat, Boss, Freitag, 13. März 2009, 18:58 Uhr

eh, Aahlderr, mach dich logger. bis todahl unkuhl

 

San Ostol, Freitag, 13. März 2009, 19:57 Uhr

Ich find das auch echt doof von O´Hara, einfach "san" dranzuhängen. Was denkt er denn eigentlich, wer er ist? Und im Kloster war er auch noch nicht, also hat er sowieso keine Ahnung von dem Zen-Buddhismus und so. Das mit der "westlichen Welt, der die ethisch-moralischen Werte fehlen" und dem unmittelbaren Bezug zur vorab genannten Dietfurter Zen-Meditation" war doch ganz anders gemeint. Wer das nicht kapiert. Ihr könnt doch dem Joe nicht die Worte verdrehen. Also braucht der O´Hara auch nicht so ein doofes Bespiel zu bringen, dass in Japan einer Amok gelaufen ist. Das hat dort ja ganz andere, wahrscheinlich auf mind. Ze(h)n ethisch-moralischen Werten beruhende, Ursachen. Und einfach nur zu einem ordentlichen Menschen erziehen, ohne Kant und römisches Recht, das geht ja schon mal gar nicht. Merkt Euch: Wenn der Kuchen redet, haben die Krümel Pause! Wie also sollte Joe je mit irgendeiner Behauptung widerlegt werden können?

 

Joe, Samstag, 14. März 2009, 09:20 Uhr

Ich hätte mich ja wirklich gefreut, wenn wir dieses sicherlich ernst zu nehmende Thema mit der entsprechenden Sachlichkeit hätten diskutieren können.

Leider weisen - wie so üblich, wenn ein solches Thema angestoßen wird - die beiden letzten Beiträge in eine andere Richtung und belegen einmal mehr, daß dieses Forum auch angesichts des fortgeschrittenen Alters seiner Teilnehmer kein Platz zu einem adäqauten Gedankenaustausch ist.

Wirklich schade.

Welcher Mechanismus ist es wohl, der die illustren Teilnehmer dieses erlauchten Kreises bei Themen, die mal unter die Haut gehen, letztendlich immer wieder in eine postpubertäre Blödelphase zurückfallen lassen?

Mit Beiträgen wie den beiden letzten jedenfalls kann man jede Diskussion kaputt machen.

 

O�Hara, Samstag, 14. März 2009, 11:36 Uhr

Stimmt. Jedenfalls mit dieser Behauptung kannst Du nicht widerlegt werden. Ansonsten: Nicht aufgeben, Joe. Einfach oben (bei dem neuen Thread) unermüdlich weiter diskutieren.

 

Joe, Samstag, 14. März 2009, 12:35 Uhr

Hi O'Hara, da bist Du ja wieder. Und diesmal nicht unter dem Deckmantel eines Pseudonyms. Freut mich.

Bei Fragen nach Leben und Tod sollte man eine gewisse Ernsthaftigkeit walten lassen, und ich finde es schade, daß - wie fast immer - nur wir beide den Dialog führen.

Zu Deinem Japaner (s. Beispiel oben) sei noch etwas angemerkt: wie Du bemerkt haben dürftest, handelte es sich bei ihm um einen ziemlich jungen Mann. Generell ist - wenn man sich mit Japan beschäftigt - festzustellen, da gewisse westliche Tendenzen sich mit einer gewissen Zeitverzögerung auch in Japan (zumindest im Ansatz) wiederfinden. Leider gehen nämlich auch in diesem Land die alten Werte und Traditionen verloren, weil die Jugend z.B. Amerika ganz toll findet (wäre ein abendfüllendes Thema!!).

Aber noch in dem brillianten Film "Yakuza" aus dem Jahre 1974 von Sidney Pollack findet sich folgende denkwürdige Ausage eines jungen Amerikaners, der zum ersten Mal in Japan ist:

"Hier in Japan ist alles anders. Wenn z.B. in Amerika ein Typ durchdreht, macht er das Fenster auf und schießt in die Menge.
Wenn in Japan jemand durchdreht, macht er das Fenster zu und begeht Harakiri".

Über diese Aussage lohnt es sich, mal nachzudenken. Natürlich sind seitdem 35 Jahre vergangen, und auch in Japan ist die Zeit nicht stehen geblieben. Allerdings herrschen dort, was die Frage der Amokläufe betrifft, noch nicht die hiesigen Verhältnisse, und bei dem von Dir erwähnten Fall dürfte es sich so ziemlich um einen Einzelfall gehandelt haben, im Gegensatz zu uns und Amerika.

Insgesamt bleibe ich bei meiner Aussage der zu beklagenden Werteverluste und Geistesdefizite. In einer Gesellschaft, die vornehmlich auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist und bei der der Konsum der entscheidende Faktor ist, haben Tugenden, Werte und Heranbildung einer Geisteshaltung (flächendeckend betrachtet) wenig Chancen.

 

O�Hara, Samstag, 14. März 2009, 13:41 Uhr

Ich stimme Dir hinsichtlich unseres Werteverfalles zu. In allen Ebenen. Wachstumswahn, fehlende Nächstenliebe, Umwelteinflüsse, das von mir geschätzte konservative, bewahrende geht nach und nach flöten. Ob die östliche Welt - weil sie noch nicht soweit ist - (noch) als Vorbild dienen kann, mag dahin stehen. Wenn die Japaner und Chinesen noch mehr auf den Märkten des Westens präsent sein werden, als das ohnehin schon der Fall ist, werden sich auch dort die zu erwartenden Veränderungen einstellen. Auch die Söhne und Töchter Nippons werden auf ihrer bislang ein wenig sichernden Inselwelt noch vom allgemeinen Niedergang ereilt werden. Der griffige Vergleich zwischen dem geöffenten und geschlossenen Fenster und dem erweiterten Suizid und Harakri konveniert meinem lieben Freund, Intensiv-Japaner und "liebenswerten Rechtshaber". So einfach ist es meine ich nicht. Du suchst mir zu sehr das argumentative Heil bei Tennos Erben. Die hohe Selbstmordrate in Japan (auch noch jungen Menschen) stimmt z. B. bedenklich. Wir müssten mal "Dein Pendant" in Japan auftreiben (wenn es das denn gäbe), dann würde Dir klar werden, wie ich es meine. Ein Diskussions-Abend muss schon mal wieder her....

 
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