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Mittwoch, 27. Januar 2010, 18:25 Uhr

Asyl für Schulverweigerer

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Nachdem der Tod von Adam Cartwright alias Pernell Roberts vielen offenbar so nahe gegangen ist, daß es im letzten Beitrag zu sagenhaften 6 Zuschriften kam - darunter sehr profund Flipper mit keckeckeckeckeck.. - besteht offenbar Hoffnung.

Man lese also den folgenden Beitrag:
www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,674309,00.html
Fundi-Christen feiern Sieg über "peinliches Deutschland"

Da sich die Familie Romeike in Deutschland deswegen verfolgt sieht, da sie ihre Kinder zur Schule schicken soll, hat ihnen jetzt das gelobte Land USA politisches Asyl gewährt. Dort können sie nun zu Hause ihre Kinder streng nach der Bibel und ohne Evolutionstheorie und Sexualkunde unterrichten (... und der liebe Gott entnahm Adam eine Rippe und erschuf daraus Eva ...)

Kein Wunder, daß die USA so viele Soldaten nach Afghanistan und in den Irak schickt, befindet man sich doch offenbar dicht hinter den Kreuzzügen (12. Jahrhundert)in einem Glaubenskrieg.

Mir fehlen die Worte - ich muß mal kurz kotzen. "Peinlich" sei Deutschland, so äußert sich wohl ein Anwalt der Lobbygruppe "Home School Legal Defense Association" (HSLDA).

Herr Verwaltungsgerichtsrat Walther, übernehmen Sie.

Kommentare:

V�erwaltungsgerichtsrat, Mittwoch, 27. Januar 2010, 22:04 Uhr

Es ist nur folgerichtig, was in den USA passiert. Schon 2008 hatten wir seinerzeit ein Gespräch in der Staatskanzlei mit dem Botschafter der USA, der uns mitteilte, dass unser geliebtes Vaterland in die Liste der "Menschenrechtsverletzer" in den USA aufgenommen wurde (auf der Liste sind die USA nicht ausdrücklich verzeichnet; vielleicht mittelbar, da sie als Herausgeber ganz oben stehen ;-). Wir müssen uns das von der FDP erklären lassen, die sich mit der Wahrung von Freiheitsrechten am Besten auskennt. Der in unserer Verfassung angeordnete Zwang zum gemeinschaftlichen Schulbesuch ist zwar von unserem Verfassungsgericht gebilligt worden, findet aber nicht überall in der Welt Zuspruch. Das Bildung auch anders Erfolg haben kann, sieht man an den wegweisenden Entwicklungen in den USA. Man muss das im Ergebnis locker sehen. Wir sind deswegen noch kein Unrechtsstaat, wenn es uns auch schmerzhaft trifft. Ich schlage vor, dass wir mit den Amerikanern ein "bilaterales Rückübernahmeabkommen" abschließen: Sie bekommen unsere ca. 500 Familien mit Schulverweigerern und im Gegenzug können unsere Jungs aus Afghanistan nach Hause.

 

Joe, Mittwoch, 27. Januar 2010, 23:18 Uhr

Ich seh' auch alles ganz locker.

Liest eh' keiner die ganze Sch...
Von daher auch vollkommen Wurscht, was wir zu dem Thema meinen.

 

The Washington Post A�nalyst, Donnerstag, 28. Januar 2010, 07:07 Uhr

Wurscht ist es nicht. Nochmal bisschen deutlicher und ohne "Rückübernahmeabkommen" (obwohl es so etwas - etwa im Gegenzug gegen Entwicklungshilfe - durchaus gibt im Asylrecht): Wir dürfen unsere (verfassungsrechtlichen und gesellschaftlichen) Standards nicht zum Maß der Dinge machen. Aus unserer Sicht billigen wir diese schon 1592 von Luther geforderte, letzlich erst im ReichsschulpflichtG von 1938 Schulpflicht einheitlich geregelte und nicht im Grundgesetz sondern wegen der föderalen Kulturhoheit in den einzelnen Landesverfassungen normierte Zwangsmaßnahme. In einem "freien Amerika" ist es undenkbar, dass der Staat, der ja sowieso nur begrenzt für die Amerikaner da ist (defizitäre Sozialversicherung), die "Midwest Farmers Daughters" oder California Girls" in eine staatiche Schule pfercht, wo sie doch zuhause bei der Ernte oder beim Wellenreiten helfen müssen (so einer der vielen Denkansätze). Die US Regierung kann gegen das Urteil vorgehen. Mal sehen, ob die außenpolitischen Zwänge Obamas Truppe zu einem Spagat veranlassen.

 

Joe, Donnerstag, 28. Januar 2010, 09:25 Uhr

Hätte mich ja wirklich gefreut, wenn es ein paar mehr Stimmen zu dem Thema gegeben hättte, aber das ist eben auch (Basis-)Demokratie: keiner wird zur Meinungsabgabe gezwungen.

Also bleibt es doch nur wieder bei uns beiden, lieber o'Hara. Ich denke, Dein letzter Beitrag geht ein bißchen an dem vorbei, was ich thematisieren wollte. Es geht doch gar nicht darum, ob wir unsere Sicht der Dinge zum Maß der Dinge machen (sollen), oder nicht.

Es geht a) darum, ob eine Schulpflicht auch für Sektierer besteht, und das hat das BVerfG ja wohl - aus und mit guten Gründen - geklärt. Also ist es nun mal so zu akzeptieren von denjenigen, die in diesem Staat leben. Es steht ihnen natürlich frei, das Land zu verlassen und einen Inselstaat streng nach der Bibel zu gründen, ohne Evolutionstheorie u Sexualkunde.

Es geht b) darum, ob ein Vertreter eines Landes, welches mit Sicherheit auch nicht das Maß aller Dinge ist, so intolerant und vermessen sein kann/darf, daß er unsere Sichtweise der Dinge als "peinlich" beschreibt. Letzteres ärgert mich, soll er doch erst mal vor seiner eigenen Tür den Dreck wegkehren.

Sehr bedauerlichermaßen sind nämlich die USA ein Land, was sich selbst gerne als Maß der Dinge betrachtet. Was dabei rauskommt, kann man ja an Bin Laden sehen, der von den USA ausgebildet wurde und nun von ihnen bekämpft wird. Womit wir wieder beim Glaubens- und Religionskrieg wären.

 

O�Hara, Donnerstag, 28. Januar 2010, 09:33 Uhr

Doch! Ich hab recht! De Kritik Amerikas macht uns zu schaffen, weil wir (und ich) unser System )= Maß der Dinge) für o.k. halten. Natürlich können diese "bibeltreuen Christen" sich sonstwo in der Welt aufhalten. Das Problem ist doch, dass ein amerik. Gericht unser Wertesystem als Eingriff in die auch in Amerika geschützte Religionsfreiheit sieht. So etwas kann man schwer aushalten.

 

Webby, Donnerstag, 28. Januar 2010, 12:03 Uhr

Kurzer Zwischenruf nur vom Dritten im Bunde: Der Beitrag steht seit gestern abend 19.25 Uhr im Netz – und erst jetzt (13.00 Uhr) hatte ich die Möglichkeit, ihn zu lesen. Von daher nicht gleich den Glauben an das Gute im Menschen verlieren, lieber Joe. Manchmal dauert's etwas. Auf meine E-Mail vom Freitag hast Du Dich ja bislang auch noch nicht gerührt ... ;-)

 

O�Hara, Donnerstag, 28. Januar 2010, 12:12 Uhr

Ich bin sprachlos.... Fairerweise muss man aber eingestehen, dass sowohl Titte (der gestern 19.00 - 22.00 unter meiner Aufsicht stand) als auch ich selbst in dem gemütlichen Burgunderstübchen zu Frauenstein hätten online gehen können (Apple iPhone vs. Nokia N 97), aber wegen der Einnahme vollmundiger Weine der Region daran gehindert waren bzw. nur die Präsentation des neuen iPads bestaunt haben.

 

Joe, Donnerstag, 28. Januar 2010, 13:52 Uhr

@Webby: mea culpa maxima - wo Du Recht hast, haste Recht. Ich hätte vielleicht replizieren müssen und/oder sollen. Andererseits wollte ich irgendwie ganz bewußt diese ZEN-Frage des Japaners aus Deinem Buch so im Raum stehen lassen. Das müssen wir bei passender Gelegenheit noch mal vertiefen.

Wenn Du also meine Entschludigung akzeptierst - was ist denn nun DEINE Meinung zu dem Thema?

@o'Hara: "Doch! Ich hab recht!" (Zitat s.o.) Prima Einleitung, könnte von mir sein ...;-) Ich kann Dir sagen, was mir an der Kritik aus Amerika zu schaffen macht: Dass sie von jemand kommt, dem es angesichts seiner eigenen Verhaltensweisen überhaupt nicht zusteht, an uns Kritik zu üben. Ich will das an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, denn es würde den Rahmen sprengen.

Aber die, die vorgeben, so christlich zu sein, sollten es mal mit Der Bibel - Lukas 6, 36-42 -4 versuchen:
"Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus Deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!"

 

Joe, Donnerstag, 28. Januar 2010, 14:03 Uhr

Eben ist es mir wieder eingefallen, das Wort aus dem Buch, aus dem auch unser Verwaltungsgerichtsrat gerne zitiert" Suddenly old M. let this terrific fart ..."(The Catcher in the Rye, J.D. Salinger).

Das Wort, was der "Held" immer gerne benutzte, war "phoney". Phoney -> scheinheilig, heuchlerisch. Das ist genau das, was ich nicht ausstehen kann.

 

Webby, Donnerstag, 28. Januar 2010, 15:39 Uhr

Hier kommt meine Meinung: Jeder kann unser Land verlassen und sich dann anderswo nach deren Gepflogenheiten (aus)bilden lassen bzw. selbst weiterbilden. Die Romeikes sind jetzt unter ihresgleichen gelandet, nämlich unter Idioten – die USA sind nun mal ein Land voller Exoten. Ich krieg' Angstzustände, wenn ich mir vorstelle, dass es bei uns auch bald soweit ist. Aber immerhin sind die Romeikes jetzt weg ... und ein ganzer Ozean liegt zwischen denen und uns!

 

Joe, Donnerstag, 28. Januar 2010, 16:53 Uhr

That's my Webby !!!

 
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