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Samstag, 27. Februar 2010, 06:38 Uhr
Rückrufaktion läuft
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Kopfdichtung defekt, Schraube locker, nicht zu bremsen. Drei gute Gründe für das Expertenmagazin Titanic, eine längst überfällige Rückrufaktion zu starten. Den Herrenwanderern soll dies nicht vorenthalten werden.
Völlig verzweifelt dagegen der (kl.) König, dessen Markentreue (> Opel) durch den erneuten unerklärlichen Defekt des Dieselpartikelfilters (Die Wanderer erinnern sich: 2.100,- Euro mit 90% Kulanz Opel) wiederum erschüttert ist. Eine der wenigen noch am Markt verbliebenen Werkstätten ("Der billige Jakob") kümmert sich um das Fahrzeug. Der Wechsel zu Audi wird erneut erwogen. Nur der Seelenschmerz des Opel-Rentners Ernst W. hindert eine Entscheidung. Ansonsten von Opel: Nur Schweigen. Na ja, die Wand’rer sind’s gewohnt.
Kommentare:
Joe, Samstag, 27. Februar 2010, 13:26 Uhr
Jetzt wissen wir auch, wo WW seine ihn charaktersierende Attitüde her hat: von Opel. Ob die jedoch mittelfristig hilft, die Marke am Leben zu erhalten? Wohl eher nicht. Da wird auch der Slogan "Wir leben Autos" nichts mehr helfen.
Zu Güido fällt mir nichts Passendes ein. Ich bin kein Freund seiner Selbstherrlichkeit, aber mit seinem Ausspruch über die spät-römische Dekadenz liegt er sehr viel richtiger, als die meisten es wahrhaben wollen.
O�Hara, Samstag, 27. Februar 2010, 14:02 Uhr
Und wo findet sich die spätrömische Dekadenz? Bei den Mißbrauchern der Sozialsysteme? Ja. Prozentsatz: Gering. Bei denen, die von redlicher, in unserem Staat angebotener und erforderlicher Arbeit ihr Leben nicht leben können? Wohl kaum. Prozentsatz: Erheblich! Bei jenen, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld? Wohl auch. Prozentsatz? ...
Geheimrat F, Samstag, 27. Februar 2010, 14:18 Uhr
Wie immer wenn in Deutschland der gerechte Zorn über soziale Mißstände ausbricht trifft er natürlich irgendwelche anderen.
Im übrigen frage ich mich woher man das Wissen über die Protzentsätze haben will. Es handelt sich wohl eher um ein Bauchgefühl geschürt von Naivität und Sozialneid.
O�Hara, Samstag, 27. Februar 2010, 15:09 Uhr
Lieber Thomas, ich sehe das in einem entscheidenden Punkt anders als Du: Solange wir in einem so weit entwickelten Staat wie dem unseren 6 Millionen Menschen haben, die von ihrer Arbeit nicht leben können bzw. keine Arbeit haben und deshalb vollständig oder zum Teil Sozialleistungen erhalten, ist dies - begleitet durch Mechanismen zur Verhinderung des Mißbrauchs - eines unserer vornehmsten Themen. Das sind Fakten und kein Bauchgefühl. Ich wünsche uns allen, dass wir so weiter leben können, wie wir es uns wünschen, aber bei unveränderten Rahmenbedingungen wird dies nicht der Fall sein. Meine Kernthese lautet: Wenn einer mit einer vom Staat vorgesehenen Schulausbildung sodann eine normale Arbeit aufnimmt und seinen und seiner Familie Lebensunterhalt nicht angemessen (keine "Urlaube" u.a. Luxus, aber Klassenfahrten und Miete und Essen) bestreiten kann, dann muss dies korrigiert werden. Bis zur nächsten fruchtbaren Diskussion herzliche Grüße
Joe, Samstag, 27. Februar 2010, 16:31 Uhr
Wie man seriöseren Medienberichten entnehmen kann, müßten wir unter anderem auch mehr in die Bildung der Nachkommenden investieren. Ernst zu nehmende Studien befürchten, daß wir ansonsten mit unserem Lebensstandard etc. weit zurück fallen werden, weil wir mit den anderen Staaten um uns herum nicht mehr mithalten können.
Wenn das Problem bekannt ist, wieso geschieht dann nichts zu seiner Abwendung? Meine These lautet: ein Grundproblem in unseren derzeitigen Situation, in der es eigentlich gälte, eine Menge Probleme anzupacken und zu lösen, ist, daß zu viel gequatscht wird, bis sich irgendwann mal irgendwas Minimales bewegt.
Ursache hierfür ist u.a. die Aufteilung des Bundes in die Länder und der so viel beschworene Meinungspluralismus, dessen Ergebnis es aber ist, daß bei der Problemlösung immer nur ein Minimalkonsens gefunden wird, der gerade mal reicht, um vorübergehend etwas zuzuplastern. Tiefgreifende Reformen sind nicht möglich, siehe z.B. Steuerrecht etc.
Klar geht es "uns" (jedenfalls den H.W.n) noch gut, aber die Frage ist doch, ob unsere Kinder fit sind für die Zukunft.
O� Hara, Sonntag, 28. Februar 2010, 06:20 Uhr
Hessen hat (wie auch RhPf) die Hauptschule semantisch aufgewertet und mit der Realschule unter einem Dach vereinigt. Dennoch gibt es sowohl den Hauptschulabschluss als auch Schüler, die (leider) nur diesen schaffen. Diese brauchen einen stabilen Platz in unserer Gesellschaft. Den können wir - bei gestiegenen Bildungsanforderungen an berufliche Tätigkeiten - nicht bieten. Das ist sozialer Sprengstoff und ich sehe keine Lösung. Zudem haben wir eine Zwischengeneration an Eltern festzustellen, die sich nicht mehr so mit ihren Kindern auseinandersetzen, wie wir es erfahren haben und wie wir dies tun. Das sind meine weiteren Thesen!
Joe, Sonntag, 28. Februar 2010, 10:52 Uhr
Der Begriff "spät-römische Dekadenz", den Ww vielleicht nicht in diesem Sinne gemeint hat, ist für mich gleichbedeutend mit dem Verfall von Sitten, Werten und Tugenden. Es handelt sich dabei um ein gesamtgesellschaftlich zu beobachtendes Phänomen, dessen Ursache m.E. u.a. in der voranschreitenden Technisierung zu finden ist (man lese z.B. mal: Erich Fromm, Haben oder Sein), in dem Auseinanderfallen der Familie als kleinster Zelle der Gesellschaft (beide Partner arbeiten, Scheidungen etc.) und in der Überbewertung der Verwirklichung des eigenen "Ichs".
Wir werden diese Entwicklung nicht aufhalten.
Was geschah mit den Römern? Das römische Reich zerfiel, andere Einheiten ("Staaten") bildeten sich. Das ist übrigens noch gar nicht so lange her, gerade mal schlappe 1.500 Jahre.
Geheimrat F, Sonntag, 28. Februar 2010, 12:21 Uhr
Lieber O-Hara,
wir sind gar nicht weit voneinander entfernt wenn Du sagst, daß man von seiner Arbeit leben können muß. Übrigens kann das heute der sog. kleine Mann etwa 20mal besser als direkt in der Nachkriegszeit (Worte von Ex-Kanzler Schmidt, SPD).
Ich stimme Dir auch zu daß jetzt vieles verändert werden muß und gerade die Sozialsysteme müssen für die Zukunft sicher gemacht werden.
Was mich bei diesen Diskussionen stört ist, daß fast jeder, der mehr soziale Gerechtigkeit fordert, meint er selber müsse nichts dazu beitragen um etwas zu verbessern. Es sind immer die anderen die sich bewegen müssen. Es sind zB die bösen Bankmanager, denen wir nur mehr abnehmen müssten usw.....
Die Gesellschaft muss das richtige Mass finden, damit die unverschuldet in Not geratenen menschenwürdig leben können (die meisten könnten es wenn Sie wieder in Arbeit kämen) und für die finanzielle Belastung derjenigen, die das notwendige Geld dazu erarbeiten und verdienen müssen. Hier sind wir aber nach meiner Einschätzung in einer Schieflage, die zum Betrug geradezu auffordert. (Stichworte unabhängig von der sozialen Schicht beispielsweise: Steuerflucht oder Kombi Modell, also sozial Gelder und Schwarzarbeit). Wer heute arbeitet und Steuern zahlt wird dafür nicht sozial anerkannt sondern im Gegenteil von vielen Mitbürgern als dumm hingestellt. Leider geht es den Ehrlichen auch meist schlechter als den Betrügern.
Joe, Sonntag, 28. Februar 2010, 15:24 Uhr
Bezüglich der Schieflage kann ich meinem Blutsbruder mal wieder voll zustimmen ;-)
Wie oben ausgeführt bezweifele ich allerdings nachhaltig, daß wir hier wieder eine "Grad-Lage" hinbekommen.
O�Hara, Sonntag, 28. Februar 2010, 16:02 Uhr
Lieber Geheimrat, lieber blutsbrüderlicher Zustimmer,
mein Vater hat mit Hauptschule und Lehre bei der Firma Opel 40 Jahre berufliches Fortkommen und in seinem Privatleben soziale Integration, Anerkennung und ein hohes Maß an Zufriedenheit erreicht. Ich selbst konnte mit den Söhnen von Akademikern wunderbare Freundschaften schließen, ohne dass eine zu große Kluft dies verhindert hätte. Das gibt es - wegen der einvernehmlich erwähnten Schieflage - heute so nicht mehr, glaube ich. Wir haben zu wenig Miteinander und - bei allem Respekt - die FDP ist hierfür kein zuverlässiger Garant. Wer am Ende den größten Schaden verursacht und wo demnach zuerst anzusetzen ist (bei den steuerflüchtigen Volksschädlingen, den Kombilöhnern oder bei den hoffnungslosen Hauptschülern) weiß ich nicht genau. Ich habe aber Sorge, dass es eher die Erstgenannten und die Letzteren sind, als die paar (oder etwas mehr) Treuwidrigen, die sich durchmogeln.
Webby [Teil 1], Montag, 01. März 2010, 10:37 Uhr
... jetzt möchte mich auch noch mal zu Wort melden. Joe schreibt: „Wenn das Problem bekannt ist, wieso geschieht dann nichts zu seiner Abwendung?“ ... und kommt schließlich zur Erkenntnis: „weil zuviel gequatscht wird“. Tatsache ist: Genau das tun wir auch. Aber immerhin ist die Erkenntnis schon ein guter Schritt. Also: Es ist etwas faul im Staate Deutschland. Nur: Wer ist eigentlich faul? Aus meiner Sicht ganz bestimmt der Hartz IV-Empfänger, der sich in der sozialen Hängematte ausruht (weil er mit seinen Beihilfen ein für ihn angenehmes Leben führen und sich schwarz etwas dazu verdienen kann). Aber: Diese „schwarzen Schafe“ sind höchstwahrscheinlich die Ausnahme. Meiner Ansicht nach gibt es einfach sehr viele Mitbürger, die nicht mehr das Geld für die Butter auf dem Brot haben. Wir können uns fragen, warum das so ist – und können uns die Antwort geben, dass das Leute sind, die einfach zu passiv sind und deshalb keinen Erfolg bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz haben. Das bedeutet aber konkret: Wer nicht unsere LeistungsBEREITSCHAFT mitbringt, ist in diesem Staat fehl am Platz. Sollen wir die also alle ausbürgern?
Webby [Teil 2], Montag, 01. März 2010, 10:37 Uhr
Es gibt aber noch eine andere faule Spezies, nämlich die, die Geld verdienen, aber dafür gar nicht mehr arbeiten will. Das sind die smarten Herrschaften, die für ihre Investments 10 Prozent und mehr kassieren wollen (am liebsten täglich) – für mich mittlerweile die Totengräber unserer sozialen Gesellschaft. Wenn Leute, die mit redlicher Arbeit Geld verdienen wollen, „freigesetzt“ werden, weil blinde Vorstände den „Shareholder Value“ nach oben treiben wollen, dann frohlocken diejenigen, die gönnerhaft ihr Geld zur Verfügung stellen (wenn es ordentlich Profit abwirft). Und das sind die Zeitgenossen, die mich weit mehr anwidern als die Hängematten-Hartz-Vierer (die damit aber nicht entschuldigt sein sollen). Nur muss ich natürlich auch erkennen, dass solche Fehlentwicklungen aufgrund der Beschränktheit des menschlichen Geistes im Kapitalismus eben systemimmanent sind.
Geheimrat F, Montag, 01. März 2010, 12:03 Uhr
Lieber Webby,
meinerseits abschließend eine kurze Anmerkung. Auch mir sind die smarten Herrschaften, die über 10% Dividende kassieren unsympathisch aber immerhin müssen die auch ein höheres Risiko eingehen damit einen finanziellen Verlust zu riskieren.
Weitaus unsympathischer sind mir Vorstände, die überhöhte Gewinnausschüttungen kassieren. Die sind aber höchstwahrscheinlich die Ausnahme. (schreibe ich jetzt mal analog zu deinen Ausführungen etwas provokant)
Es gibt zwischen Hängematten Hartz 4ern und korrupten Managern jede Menge Zwischentöne. Bevor wir alle mit unserem gerechten Zorn überziehen sollten wir selbstkritisch über unser eigenes Verhalten nachdenken.
Webby, Montag, 01. März 2010, 14:03 Uhr
Da kann ich meinem Nicht-Blutsbruder nur mal wieder recht geben. Ich nehme jedoch für meine Freunde und mich generell in Anspruch, dass wir alle gerne selbstkritisch über unser eigenes Verhalten nachdenken. Es wird – davon abgesehen – aber trotzdem gestattet sein, sich kritisch zu Zuständen und/oder Personen zu äußern; wir sind ja mündige Bürger (oder glauben zumindest, es zu sein). Wir können natürlich – wie schon oft zu hören war – die Auffassung vertreten, dass man ja doch nichts ändern kann. In diesem Fall wäre es dann konsequent, einfach den Mund zu halten. Mir war lediglich der Hinweis wichtig, dass es nicht nur am unteren Ende der sozialen Skala Schmarotzer gibt, sondern eben auch am oberen Ende. Alles Ausnahmen ... aber die bestätigen die Regel. Übrigens, was die „10-Prozenter“ angeht: Ich meine hiermit natürlich nicht generell Menschen, die ihr Geld an der Börse anlegen, sondern jene Spezies, die den Rachen einfach nicht vollkriegen kann.