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Mittwoch, 18. August 2010, 13:14 Uhr

Freie Daten für freie Bürger

Der Markt sollte alles – und der Staat möglichst wenig regulieren. Dieser Satz klingt gut, ein Credo der Freiheitsliebenden sozusagen. Doch die Wirklichkeit zeigt: Wehe, wenn sie losgelassen. Dann diktieren die feinen Herren von der Energiewirtschaft plötzlich die Preise (besonders, wenn's kälter wird) - oder drohen damit, Deutschland ins Dunkel zu stürzen, wenn es nicht nach ihrem Willen geht. Zweites Beispiel: Google, der wahre Orwell des 21. Jahrhunderts. Ein Unternehmen, das einfach macht, was es will - nach dem Motto„Freie Daten für freie Bürger“. Und wer aufmuckt ist ein Spießer, ein Ewig-Gestriger, ein Spielverderber ... einer, der alles schlecht macht und den Spaß an der heilen neuen Welt verdirbt. Dabei sieht man doch durch die rosa Brille viel besser. Jens Best, Deutschlands größer Streetview-Fan, plant sogar, Häuser online sichtbar zu machen, die in Googles umstrittenem Street-View-Projekt verpixelt wurden: Er will die Gebäude ablichten und dann ins Internet stellen - gegen den Willen der Besitzer und Mieter. Merke: Alles ist erleuchtet, durchleuchtet, über- oder unterbelichtet oderwieoderwas. Jedenfalls gilt es zu klären: Was sollen wir von Googles Streetviewplänen halten? Hat da jemand im erlauchten Kreis der Wanderer (ob mit rosa Brille oder ohne) den Durchblick? Der Webmaster bittet nach der Sommerpause – zurück aus dem„land of the free“ – um rege Beteiligung.

Kommentare:

Geheimrat F, Donnerstag, 19. August 2010, 09:03 Uhr

Und erneut haben wir das Böse im Bereich der Industriebosse und Kapitalisten. Vor kurzem habe ich beispielsweise vom Club der Milliardäre gehört, die teilweise 50% ihres geschätzten Vermögens freiwillig für soziale Zwecke gespendet haben. In USA wurde das zu Recht anerkannt. In Deutschland wurde daraus eine Steuerdiskussion gemacht. Wir könnten ja auch diskutieren ob der Staat mit einer Volkszählung unbedingt weitere Fakten von den Bürgern sammeln muß oder ob die staatlich geförderte elektronische Gesundheitskarte wirklich nur zum Besten der Versicherten genutzt werden soll.... Auch in staatlich gelenkten Behörden sitzen nur Menschen. Auch bei diesen Menschen gibt es fließende Übergänge von den Ehrlichen bis hin zu Korrupten.

 

Frankieboy aus Amerika, Donnerstag, 19. August 2010, 09:30 Uhr

Also am besten möglichst keine Kritik mehr üben und alles gut finden? Oderwieoderwas? Übrigens: Die letzten Südseegletscher schmelzen dahin!

 

Geheimrat F, Donnerstag, 19. August 2010, 10:09 Uhr

Wie wärs mit ausgewogener Kritik in alle Richtungen? (Auch wenns gegen die böse Industrie mehr Spaß macht, oderwieoderwas?)

 

Frankieboy aus Amerika, Donnerstag, 19. August 2010, 12:25 Uhr

Das mach' ich glatt – sobald Du bereit bist, die Industrie auch mal etwas kritischer zu betrachten. Wenn man Deine Kommentare liest, könnte man meinen, die seien über jeden Zweifel erhaben und müssten in Schutz genommen werden. Ich halte es jedenfalls für Verbrechermethoden, wenn die Gaspreise immer zu Beginn der Heizperiode erhöht werden. Das geschieht meiner Meinung nach mit Kalkül, damit die sich mit noch besseren Bilanzen schmücken können (ohne dass sie wüssten, was sie mit dem Geld Sinnvolles tun sollen). Und die Drohung, die Atomkraftwerke abzuschalten, käme mir zwar entgegen, zeigt aber, wie die Herren der Energieindustrie im Oberstübchen ticken. Solche Methoden seien „nicht hilfreich“, sagt der neue Sprecher unserer Bundeskanzlerin, Steffen Seibert, dazu. Ich kann wenig Gutes feststellen. Primär zielte mein Beitrag aber auf Streetview von Google. Sind meine "Befindlichkeiten" da möglicherweise überzogen? Meint es Google nur gut mit uns? Wie siehst Du das denn?

 

Geheimrat F, Donnerstag, 19. August 2010, 14:27 Uhr

1. Bei Google street View sehe ich Probleme. Hier muß der Staat regelnd eintreten. Habe jedenfalls keine bessere Idee
2. Die Industrie will, wie jeder Unternehmer einschließlich wir beide, Geld verdienen. Die Methoden sind bei keinem Unternehmer immer zu 100% moralisch einwandfrei, - das wäre unmenschlich - das Verhalten der Energiekonzerne bewegt sich dabei nach meinem Gefühl auf einer Skala zwischen 0 (integer) und 10 (betrügerisch) um 7. Immerhin werden Sie aktuell vom dümmlichen Wirtschaftsminister genötigt 50% oder mehr der durch eine Laufzeitverlängerung bewirkten Einnahmen abzugeben. Es ist das Recht eines Unternehmers über die Schließung eines Betriebes nachzudenken wenn er nur rote Zahlen schreibt.
3. Wenn irgendwann innerhalb der nächsten 10 Beiträge eine positive Aussage zur gegenwärtigen Politik, zur Wirtschaft oder der Umweltsituation käme, wäre ich positiv überrascht und dankbar

 

O�Hara, Donnerstag, 19. August 2010, 15:25 Uhr

zu 1.: wie Webby und Big F. Warum muss ich erst widersprechen, wenn jemand die (ganze?) Welt digitalisieren will? Andersrum wäre es o.k.: Man fragt die Bewohner der Gebäude, die man aufzeichnen möchte (ist halt ein bisschen aufwändiger...)
zu 2.: Ich bin sicher, dass die Herrenwanderer (ob Unternehmer oder Staatsdiener) von 0 bis 10 einigermaßen ordentlich wegkommen. Unternehmer Hipp 0. K. Rates: Remember zu good times: "Big Bushido, edel und gut (1978)"
zu 3.: Zur Bewirkung "positiver Überraschung nebst Dankbarkeit" fällt mir nur eine Nachrichtenmeldung von gestern ein (hr-Info): Die Bundesrepublik hat ein (in Worten: "1") Transportflugzeug des Fabrikats Antonow nach Pakistan gesandt, das 500 Familien mit Essen versorgen kann (wie lange??). Mit "2 Propellern auf jeder Seite" (Originalton!). Journalismus at its best.

 

Webby (witzig), Donnerstag, 19. August 2010, 15:30 Uhr

Was die Umweltsituation angeht, sieht's bedrohlich aus. Positive Meldungen sind hier leider Mangelware. EInziger Lichtblick: Das "Loch" im Golf von Mexiko ist endlich gestopft (und Öl ist organisch, baut sich also im Lauf der Jahrmillionen ab). Was die Wirtschaft angeht, sieht's besser aus: Da war doch erst vor zwei Tagen die Rede von einem unerwartet guten Wirtschaftsaufschwung in Deutschland, der sogar manch einen sofort dazu animierte, wieder Steuersenkungen ins Gespräch zu bringen. Gute Meldungen zur politischen Situation? Frag' am besten Deinen Bruder, der korrespondiert regelmäßig mit unseren Volksvertretern.

 

Geheimrat F, Donnerstag, 19. August 2010, 17:41 Uhr

Also gibts eigentlich gar nichts mehr zum Lachen. Ich habs ja befürchtet. O-Haras einziger Lichtblick ist die Antonow mit 4 Propellern (wieviel hast Du bisher für Pakistan getan?) und beim Frank macht sich so langsam die Altersdepression breit. Der Wirtschaftsaufschwung zeichnet sich doch langsam ab, oder nicht? und beim Klima-Wandel (früher Klimakatastrophe) mehren sich Hinweise, daß Prognosen falsch berechnet wurden.

 

WW, Donnerstag, 19. August 2010, 18:26 Uhr

Alles wir gut.

 

Alter Webby, Freitag, 20. August 2010, 06:32 Uhr

Die von Dir erwähnten Prognosen mehren sich nur bei Dir, weil Du ein bestimmtes Weltbild hast, das niemand in Frage stellen darf. Wenn das der Preis für "Forever young" ist, dann werde ich lieber in Würde alt. Ich habe übrigens schon für Pakistan gespendet – wie sieht's bei Dir aus?

 

Geheimrat F, Freitag, 20. August 2010, 08:17 Uhr

1. Die erwähnten Prognosen mehren sich nicht nur bei mir.
2. Mein Weltbild darf jeder in Frage stellen. So bedeutend ist mein Weltbild (Gott sei Dank) auch nicht.
3. Daß Du für Pakistan gespendet hast finde ich super und Du hast es mir voraus. Werde zumindest im Club aktiv darauf hinwirken, daß wir ca 1000€ spenden. (Shelter Box o.ä. Freund Fischer fragt gerade nach). Aktuell hat die BRD das Spendenaufkommen von 10 Mio auf 25 Mio € angehoben. Welche Rolle dabei díe Antonow spielt ist mir unbekannt. Naturkatastrophen mit tausenden von Toten gab es übrigens auch schon vor 100 Jahren. Wer hat damals den in Not geratenen geholfen? Ist es heute in diesem Punkt nicht besser als früher? und ist diese Verbesserung von Menschen geschaffen? Wenn dem so ist, dann kann der Mensch offenbar auch Gutes tun. Ich vermute aber Ihr seht das anders. (z.B. böse Wirtschafts-unternehmen haben durch rücksichtslosen CO2 Ausstoss billigend in Kauf genommen eine Natturkatastrophe auszulösen. Schlimmere Katastrophen werden folgen. Weitere Menschen müssen sterben.....).

 

Webby, Freitag, 20. August 2010, 09:03 Uhr

Gaaanz ruhig, mein Lieber. So schlimm ist es auch nicht. Ich sehe noch Chancen für die Menschheit :-)

Im Ernst jetzt mal: Wir liegen doch – wenn man mal die (größtenteils durchaus amüsanten) Sticheleien weglässt – gar nicht weit auseinander. Beispielsweise sind wir uns in puncto StreetView einig. Und was die Industrie angeht: die liegt bei Dir bei "7" und bei mir vielleicht bei "8". Wenn man an bestimmten Dingen Kritik übt, heißt das doch nicht, dass man alle über einen Kamm schert. Der Begriff "böse Industrie" stammt übrigens gar nicht von mir, den hast Du so ins Spiel gebracht. Du solltest aber nicht von Einzelfällen auf das Ganze schließen, denn das tue ich auch nicht. Auch O’ Haras Antonow-Anspielung solltest Du nicht gleich auf die Goldwaage legen. Er war – wie er mir sagte – lediglich darüber erstaunt, dass eine verhältnismäßig kleine Hilfsaktion von unserer (bösen?) Presse regelrecht ausgewalzt wurde (inkl. Nennung der Propelleranzahl).

Generell ist mein Leitsatz: Als Pessimist verändert man nichts. Das kann aber nicht heißen, dass man alles positiv sehen muss. Für mich gibt es jedenfalls Dinge auf der Welt, die zu durchaus berechtigter Sorge Anlass geben. Und das muss man doch – zumal unter Freunden – noch artikulieren dürfen, ohne dass man gleich als Spielverderber, Miesmacher oder potentieller Altersheimanwärter hingestellt wird.

 

O�Hara., Freitag, 20. August 2010, 10:15 Uhr

Würde gerne weas schreiben, trau´ mich aber nicht mehr. Freue mich auf einen weiteren "offenen Gesprächsabend" mit dem Geheimrat F.

 

Scheich DD, Samstag, 21. August 2010, 11:23 Uhr

Es ist dem Untertan untersagt, bei seiner bescheidenen Einsicht den Maßstab an die Entscheidungen der Obrigkeit anzulegen!

(Soviel zur Idee des Referendums)

 
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