[ zur�ck ]
Freitag, 24. September 2010, 06:15 Uhr
The world according to Ahmadinedschad
Seine Rede war mit Spannung erwartet worden - und Mahmud Ahmadinedschad sorgte vor der Uno-Vollversammlung in New York tatsächlich wieder für einen Eklat. Der iranische Präsident provozierte mit wüsten Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 heftige Unruhe im Saal. Vertreter der USA und Westeuropas verließen demonstrativ den Raum, als Ahmadinedschad nahelegte, die USA selbst steckten hinter den Angriffen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington, um Israel zu retten.
Für Empörung sorgte auch, dass der iranische Präsident die etwa 3000 Toten der Terrorangriffe gegen„Hunderttausende Tote im Irak und in Afghanistan“ aufrechnete. Die USA hätten die 9/11-Anschläge als Vorwand für die Invasionen im Irak und in Afghanistan benutzt. Er warf dem Westen„unglaubliche Verbrechen“ vor. Über Jahrhunderte seien andere Länder besetzt, ihre Völker unterdrückt und ermordet und Millionen Menschen versklavt worden.
„Weite Teile der Welt haben unter der westlichen Dominanz gelitten“ so Ahmadinedschad. Zugleich pries er seine Toleranz. Er hielt einen Koran und eine Bibel hoch und sagte:„Ich habe vor beiden dieser heiligen Bücher Respekt.“
Kommentare:
Scheich Dubai, Freitag, 24. September 2010, 11:40 Uhr
Ab "Er warf dem Westen ..." hat er recht!
Und wenn seine im letzten Satz erwähnte Geste aufrichtig und nicht nur "werbewirksam" und damit eine Farce war, dann verdient sie Respekt!
Webby, Freitag, 24. September 2010, 12:06 Uhr
Dem kann ich zustimmen. Gewalt erzeugt Gegengewalt – manchmal erst nach vielen Dezennien.
O�Hara, Freitag, 24. September 2010, 14:42 Uhr
Das Fehlverhalten von diversen Staaten in den letzten 3000 Jahren wird im allgemeinen stets zutreffend wieder gegeben. Ob die Deutschen (z. B. 1870/71, 1914/18, 1939/45), die Amerikaner (u.a. in Korea und Vietnam), die (ehm.) UdSSR in Afghanistan, das Nachfolgerussland gegen Tschetschenien, die Japaner gegen Korea und China (30er Jahre), die Türken vor Wien und auf dem Amselfeld, die Kreuzritter in Jerusalem, die Perser gegen die Griechen, etc. pp. - das stimmt alles. Bei einer aktuellen Bewertung hilft die "historische Aufrechnung" des Herrn A. indes nichts: Der Iran ist eines der Länder, in dem Menschenrechte mit Füßen getrenten werden. Folter, Mißhandlungen und Vergewaltigungen Inhaftierter, Auspeitschen und Amputationen, sind an der Tagesordnung. fortdauernde Diskriminierung von Frauen und Mädchen im Gesetz und in der Praxis sowie die starke Einschränkung und Einengung der Religionsfreiheit runden das Bild ab. Der bekundete Respekt vor der Bibel ist eine "infame" Aussage: solange die "gesetzestreuen" iranischen Sittenwächter geschminkten Frauen auf der Straße mit Rasierklingen die Lippen aufschneiden, mag ich diesem Unrechtsstaat und seinem Fürsprecher A. nichts abzugewinnen. Hier ist die BRD gefordert Profil zu zeigen. Dafür haben wir einen Außenminister. Ich teile dessen und Obamas Hoffnung, dass eine friedliche Lösung des Konflikts mit dem Iran, der unter dem Deckmantel eines Forschungsprogramms Atomwaffen herzustellen scheint, denkbar scheint. See what happens...
Scheich Dubai, Freitag, 24. September 2010, 20:38 Uhr
Indianische Völker sind nicht nach Europa ausgewandert und haben uns auf eine vernachlässigbare ethnische Größenordnung dezimiert!
Afrikaner haben nicht Österreicher, Italiener oder Holländer versklavt, um sie wie Vieh zu halten und in den Plantagen vor Ort schuften zu lassen!
Und mir ist auch nicht bekannt, dass Iraner oder Afghanen irgendwo auf der Welt jemals irgendwelche Kolonien hatten!
So what?!!
Querdenker, Freitag, 24. September 2010, 21:15 Uhr
Was wäre, wenn Herr A von den Amis bezahlt wird, damit endlich hinreichend Grund für eine Invasion Irans vorleigt...nur so ein Gedanke.
Kennt man ja seit dem Reichstagsbrand.
O�Hara, Samstag, 25. September 2010, 05:08 Uhr
@Guten Morgen, lieber Jürgen,
knapp daneben ist auch vorbei. Ich habe keinen Respekt vor dem Wort des Herrn A., auch nicht, wenn er Bibel und Koran in einem Satz erwähnt. Dies meinte ich auch mit der menschenrechtlichen Situation im Iran belegen zu können. Wenn Du mit Deinem Beitrag ausdrücken wolltest, dass Indianervernichtung und Kolonialisierung die Situation im Iran erklären oder rechtfertigen könnten, dann teile ich diese Ansicht nicht.
@Hallo, lieber Querdenker:
Natürlich ist die seit Anfang des vorigen Jahrhunderts auf Hochtouren laufende Rüstungsindustrie in den USA (deren Anteil an Staatshaushalt und BSP sich jeder selbst ausrechnen kann) darauf angewiesen, ständige Nachfrage zu generieren, nicht zuletzt, damit Anleger aus aller Welt weiter das nötige Kapital investieren. Damit ist (leider) fast alles denkbar, was unserer Phantasie entspringen kann.
Scheich Dubai, Samstag, 25. September 2010, 09:34 Uhr
@ O´Hara: Du vergleichst Äpfel mit Birnen, mein Freund!
Das Problem mit dem Iran ist ein Problem im Iran! Und es gibt - dürfte Dir nicht entgangen sein - seit einiger Zeit und in zunehmendem Maße ermutigende Gegenbewegungen. Ich bin mir sicher, dass der stärker werdende demokratiehungrige Teil der iranischen Bevölkerung sich auf Dauer - ggf. mit Unterstützung der Vereinten Nationen i. S. einer konzertierten Aktion - durchsetzen wird!
Was Herr A. (zurecht) anprangert, ist das unsägliche Leid, dass die Völker des Westens anderen Völkern überall auf der Welt an nachhaltigem (=könnte Zynismus pur sein) Leid zugefügt haben - und das kann man dem Iran nun mal nicht vorwerfen!!
Andererseits: Du hast recht, dass das, was im Iran an Menschenrechtsverletzungen geschieht, durch rein gar nichts zu rechtfertigen ist. Auch nicht damit, dass dies allein dem Iran seine eigene Angelegenheit wäre!!